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Freygeist ist insolvent – was wir daraus lernen

Brauchen wir eine neue Kultur des Scheiterns?

Das TELE-Partner-Startup Freygeist ist pleite. Trotz Händlervorbestellungen für Design-E-Bikes im dreistelligen Bereich für 2017 hat das Startup nun in Deutschland und in Österreich Insolvenz angemeldet. Damit verlieren die Crowdinvesting-Investoren rund 1,5 Millionen Euro. Was hierzulande zu europaweit größten Crowdfunding-Pleite hochstilisiert wird, nötigt Investoren in den USA nicht einmal zu einem Schulterzucken. Denn verglichen mit dem amerikanischen Crowdfunding-Milliardengeschäft sind die auf europäischen Plattformen eingezahlten Beträge winzig. Aber es gilt leider immer noch: Wer in Deutschland/Österreich scheitert, ist ein Verlierer. Ganz anders in Übersee, wo Scheitern zum Business gehört und als Erfahrung verbucht wird – als wertvolles Learning auf dem Weg zum Erfolg.

Harter Start für junge Wilde

Nach konservativen Schätzungen überleben 50 Prozent der Start-ups die ersten Jahre nach der Gründung nicht. Die Freygeist-Pleite ist somit fast schon Business-as-usual auf einem dynamischen Markt, auf dem innovative Gründer schnell gepusht und auch wieder rasch fallen gelassen werden. Mit der Freygeist-Idee von den schicken Ultraleicht-E-Bikes hatten drei Freunde im Jahr 2015 über die Plattform Companisto immerhin 1,5 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Vielleicht zu viel auf einmal für unerfahrene Gründer, die damit innerhalb kürzester Zeit eine funktionierende Firma aus dem Boden stampfen sollten, die satte Gewinne abwirft.

Fehlendes Know-how

Gerade junge Firmen treffen anfangs viele falsche Entscheidungen, wenn es darum geht, das Geld sinnvoll einzusetzen. Sie machen zwar eine Finanzplanung, aber keine Liquiditätsplanung und wissen nicht, wann ihnen das Geld ausgehen wird. Neben finanziellen Problemen tauchen inhaltliche Differenzen auf und in vielen Fällen fehlt einfach Know-how und Erfahrung. Welchen Produzenten soll ich auswählen, welcher Prozess dauert wie lange? Was brauchen meine Kunden oder wie gehe ich mit Reklamationen um? Und wie erobere ich mit meinem Produkt internationale Märkte? Teure Berater sind zwar schnell zur Stelle, kosten aber oft mehr als sie dem Unternehmen letztendlich bringen.

Enthusiastische Egos – keine Zeit für Strukturen

Dazu kommt, dass pragmatische Konsenslösungen oft an ehrgeizigen Egos scheitern. Darüber hinaus kämpfen die jungen Unternehmer mit fehlenden oder zu schnell wachsenden Strukturen. So lässt das Vorantreiben der innovativen Gründungsidee selten Zeit für nachhaltige Unternehmensorganisationsentwicklung. Die Investoren machen zusätzlich Druck und wollen Erfolge sehen. Nach und nach wird das Klima rauer und wenn es hart auf hart kommt, werden aus den ehemaligen „Garagenfreunden“, die jetzt CEO, CTO und CFO heißen, ganz rasch erbitterte Gegner und das Unternehmen gerät ins Trudeln. Ähnlich auch bei Freygeist, denen die Gesellschafter kurz vor dem Ende noch einen Geschäftsführer von außerhalb vor dir Nase setzten, um das Ruder noch mal herumzureißen. Wie die Geschichte zeigt, aber ohne Erfolg.

Scheitern als Meilenstein auf dem Weg zum Erfolg?

Aber was ist eigentlich so schlimm, wenn sich eine Idee auf dem Markt nicht durchsetzen kann? Warum nicht hinfallen, aufstehen und eine neue Idee realisieren? „Leider gibt es in Europa keine Kultur des Scheiterns“, seufzt Markus Stelzmann, Regisseur bei TELE Haase. Schuld daran ist vor allem, dass bei uns Verluste nicht mit Gewinnen abgeglichen werden können, außer sie werden im selben Jahr erwirtschaftet. „Beispielsweise investiert ein Business Angel in zehn Startups jeweils 100.000 Euro. Neun davon schaffen den Turn Around nicht aber eines ist erfolgreich bringt ihm eine Million ein. Leider kann er das nicht mit den 900.000 Euro Verlust für die gescheiterten Startups abgleichen, weil er die Verluste in unterschiedlichen Jahren steuerlich nicht geltend machen kann“, ärgert sich Stelzmann. Aus diesem Grund besitzt die Risikokapitalfinanzierung in Europa noch immer sehr eingeschränkte Relevanz, was wiederum die Gründerszene und damit die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nachhaltig schwächt. Zusätzlich gibt es kaum Geld von Banken. Scheitert ein junges Unternehmen wird es geächtet und ist meist am Ende. „Das ist ganz falsch und behindert innovatives Denken. Stattdessen sollten wir das Scheitern zulassen und als Chance sehen, Dinge zu lernen und das nächste Mal besser zu machen“, resümiert Stelzmann.

TELE wird die Zusammenarbeit mit Startups jedenfalls noch ausweiten und steht den jungen Wilden gern mit Know-how, Produktionskapazitäten und auf Wunsch auch einen Platz im TELE-Techhub zur Seite. Willst du mit TELE kooperieren? Dann melde dich gleich bei uns!