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Das Kreuz mit der Eigenverantwortung

Wie beherrsche ich die Geister, die ich rief?

Ein Mantra der TELE-Organisation, das wir quasi gebetsmühlenartig stets aufs Neue wiederholen: Jeder im Unternehmen darf und soll Eigenverantwortung übernehmen. Jeder kann Projekte initiieren. Jeder darf dabei auch Fehler machen. Das klingt doch super. Alle sollten die gleichen Chancen haben und ihre Talente entfalten können. Ihre Ziele verfolgen und die Früchte des Erfolgs ernten. Soweit so gut. Leider schmückt sich dieses Ideal, in einer nicht ganz so idealen Unternehmensrealität, (noch) mit kleinen und größeren Schönheitsfehlern.

Schönheitsfehler 1 – Wer macht, hat Macht

Ein Unternehmen besteht aus vielen verschiedenen Individuen mit unterschiedlichen Wertewelten und Bedürfnissen. Es gibt die, die immer voranstürmen, unbekümmert einfach mal machen und für die es auch kein Drama ist, wenn mal etwas schiefgeht. Dann gibt es die Vorsichtigen, die lieber abwarten bis jemand anderer etwas gemacht hat und dann gern und ausgiebig kritisieren. Und es gibt jene, die sich am liebsten überhaupt aus allem heraushalten und sich ganz gerne sagen lassen, was zu tun ist.

Lässt man den Dingen ihren Lauf, dann werden die „Macher“ das Gefüge des Unternehmens maßgeblich bestimmen und nach und nach inoffizielle Führungspositionen besetzen, einfach dadurch, dass sie eben „tun, was getan werden muss“ und damit Tatsachen schaffen. „Macher“ neigen auch nicht unbedingt zur Selbstreflexion. Lernen aus Fehlern ist nicht so ihr Ding. Das schadet der Unternehmensentwicklung und kostet oftmals viel Geld, weil falsche Strategien ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt werden.

Was tun?

Das Unternehmen der Zukunft braucht Mechanismen, die sicherstellen, dass alle Mitarbeiter ihre Eigenverantwortung wirklich übernehmen, aktiv werden und für ihre Interessen einstehen. Nur, wenn sich jeder beteiligt, entsteht ein fruchtbares Gleichgewicht der Interessen.

 

Schönheitsfehler 2 – Kreatives Chaos allein ist teuer

Wenn viele Menschen „einfach mal machen“, dann kommen viele spannende Dinge heraus. Aber auch viele nicht so spannende. Wer behält bei einer Fülle von Projekten, die an jeder Ecke initiiert werden, den Überblick? Wer stellt sicher, dass alle Projekte zur Unternehmensstrategie passen?
Die Umsetzung jeder Idee kostet Geld. Allein, wenn sich beispielsweise sechs Mitarbeiter regelmäßig in einer Arbeitsgruppe treffen, frisst das einiges an Arbeitszeit, die wiederum in Summe teuer ist. Besonders interessant wird das, wenn Projekten ins Stocken oder in eine Sackgasse geraten oder gar auf ganzer Linie scheitern. Wer entscheidet letztendlich, wann genug ist?

Was tun?

Das Unternehmen der Zukunft braucht ein klares Regel- und Kontrollgefüge für laufende Projekte. Die Bewertung des Projektfortschritts, von Erfolgen und Misserfolgen sowie die (Kosten-)kontrolle sollten dabei von einer Instanz wahrgenommen werden, die in das Projekt selbst nicht eingebunden ist. Wenn Projekte nicht funktionierten oder finanziell aus dem Ruder laufen, muss es Regeln für Konsequenzen geben.

 

Schönheitsfehler 3 – Es wird unübersichtlich

Sobald Menschen in allen Unternehmensbereichen ihre eigenen Entscheidungen treffen, weiß bei knapp 100 Mitarbeitern die eine Hand schnell nicht mehr, was die andere tut. Projekte beeinflussen sich gegenseitig negativ oder es wird doppelt gemoppelt. Wer findet das (rechtzeitig) heraus und tut etwas dagegen?

Zusätzlich verändern sich Dinge und Sichtweisen in einem agilen Unternehmen ständig. Wird zu wenig kommuniziert, bleiben Mitarbeiter mit unterschiedlichem Wissensstand auf der Strecke. Beispielsweise kann es aus Marketingsicht problematisch sein, wenn nicht ständig alle Änderungen der Unternehmensphilosophie/-strategie sofort intern an alle weitergegeben werden. Denn jeder Mitarbeiter kann und soll unsere Ideen nach außen kommunizieren(an Interessierte, Medien etc.). Auf diese Weise passiert es immer wieder, dass schon wieder Veraltetes weitergegeben wird.

Was tun?

Im Unternehmen der Zukunft müssen Menschen, die eigenverantwortlich Projekte vorantreiben und Entscheidungen treffen, sich angewöhnen, ihre Projekte sowie deren Status regelmäßig allen anderen Menschen im Unternehmen zu kommunizieren. Nur, wenn transparent ist, wer gerade was tut (und austüftelt), wird das Chaos beherrschbar.
Was mittlerweile klar ist: Es reicht nicht, Dinge (in für Außenstehende oft schwer verständlichen Protokollen) über das InfoNet zu verbreiten. Wir suchen noch Ideen und Instrumente um das zu verbessern.

Lessons learned

  1. Wir müssen alle Mitarbeiter dazu bringen, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen.
  2. Wir brauchen ein klares Regelwerk und funktionierende Kontrollmechanismen für alle Projekte im Unternehmen.
  3. Wir müssen die Kommunikation über das, was wir tun, noch besser institutionalisieren.
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